„Ausziehen 2.0“ – Warum entblößen Nutzer von Online-Communities sich so leichtfertig….

Dienstag, 22.April 2008 um 17:58:26 | Veröffentlicht in Artikel - Rezensionen - Texte | 1 Kommentar
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Ausziehen 2.0 – Die Titelgeschichte von ZEIT-Campus Nr.3 Mai/Juni 2008, S.98-107.

In diesem neuen Artikel wird wieder einmal versucht, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, warum der Einzelne so viel von sich preisgibt in sozialen Communities (hier am Bsp. StudiVZ), obwohl man doch nicht wirklich gezwungen werde. Vorausgestellt sei zu erwähnen, dass StudiVZ von der Holtzbrinck-Gruppe übernommen wurde, zu der auch „DIE ZEIT“ gehört. In Schutz nehmend muss ich berichten, dass der Artikel dennoch an Sachlichkeit und Unabhängigkeit nichts eingebüsst hat.

Beginnend mit den durchaus beeindruckenden Fakten, dass 5 Millionen StudiVZ-Nutzer eine stetig wachsende Online-Community bilden, die sich auch von personalisierter Werbung nicht haben abschrecken lassen, steht dann auch die Information, dass StudiVZ auf 6,3 MILLIARDEN Page-Impressions (monatlich?) kommt. Deutlich vor den Konkurrenten Facebook oder Wer-kennt-wen.
Von Interesse nun: „Warum gibt man […] alles leichtfertig von sich preis?“ und „Wer liest da eigentlich alles mit?“

> „Aufmerksamkeit“, behauptet der Medienpsychologe Jo Groebel, Leiter des Deutschen Digital-Institut Berlin. Er beschäftigt sich u.a. mit solchen Ereignissen wie DSDS oder MySpace. Zusammen mit ein paar Kollegen gab er das Buch „Privatheit im Öffentlichen Raum“ heraus.

Die These(n):  Alles, was in Online-Communities über sich erzählt wird, wird auch gleich mit Aufmerksamkeit belohnt, was wiederum dem Ego sehr gut tut. Das führt nun so weit, dass die heutige (also auch meine) Studentengeneration schon als die „Generation Me“ charakterisiert wird. Die narzistischste Studentengeneration dank der Technik allgemein und, besonders dank Web 2.0.
Weiter: Internet hat Aufmerksamkeit demokratisiert, d.h. jeder kann senden, empfangen und empfangen werden. Es sei dank Web 2.0 leicht geworden, sich darzustellen, niemand müsse mehr etwas von programmieren verstehen (= Niederschwelligkeit?!) und das allerschönste dabei, es werde nichts tolles erwartet von einem….(siehe dieser Blog und auch dieser Beitrag :=).

Nun geht es aber weiter im Text mit der Psychologie von StudiVZ: Gruppen als Ausdruck von Solidarisierungsversuchen mit Anderen, eigener StudiVZ-Sprech (bsp. die Gruppe “ Wir trinken Bier nur an Tagen, die mit g enden. Und mittwochs.“, frei übersetzt mit „Ich habe ein Alkoholproblem“🙂.

Die Offenheit, die an den Tag gelegt wird, erstaune wohl viele Ältere. Es werde bereits gefragt (in soziologischen Kreisen), ob überhaupt noch ein Bewusstsein von Privatheit existiere. Es folgen längere Passagen, wo sich über ‚Privatsphäre‘ im Allgemeinen ausgelassen wird, dann allerdings wird der Schuldige gefunden. Es seien entgrenzende Medienspektakel, die hier ihr übriges tun.

Und damit sei die Eingangsfrage schon fast beantwortet, auf den restlichen Seiten des Artikels wird lediglich auf die Gefahren dieser „Neuen Offenheit“ (vgl. J.Habermas) verwiesen. Personalchefs würden sich schon länger dieser Daten bedienen und einige Bewerbungsgespräche seien deshalb schon geplatzt. Überhaupt, die Werbung. Das Für und Wider wird diskutiert und es werden auch Vorsichtsmaßnahmen genannt mit medienpädagogischer Ausrichtung, wie der Einzelne sich gegen zu viel Offenheit im Netz schützen kann. Dinge, welche von mir im Praktikum in 5. und 6. Klassen diskutiert werden, haben anscheinend auch für unbedarfte studentische Klientel hohen Nutzwert.

Einschätzung: Nun ja…dies soll der Artikel gewesen sein. Recht unterhaltsam journalistisch aufgearbeiteter Stoff, mit (für mich) wenig Neuem. Für Einsteiger in die Thematik durchaus empfehlenswert.

1 Kommentar »

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  1. Hi David,

    danke für die Rezension. Da brauche ich ja nicht zu bereuen, dass ich die Zeit-Zeitschrift letzte Woche verschmäht habe😉

    Noch zum Zeit-Artikel:

    Das stimmt schon irgendwie, aber Aufmerksamkeit scheint ein begrenztes Gut zu sein und wenn Aufmerksamkeit von immer mehr Seiten/Akteuren in Anspruch genommen wird, wird sie auch immer „dünner“. Ich glaube durch die „Demokratisierung der Aufmerksamkeit durch das Internet“ wird erstmal mehr Aufmerksamkeit erzeugt, aber die Qualität dieser Aufmerksamkeit ist viel niedriger als in den Zeiten in denen die Bibel das einzige Medium war, dass in jedem Haushalt vorhanden war. Bzw. in denen man sich nur einmal pro Woche am Markttag mit anderen Menschen und Idee auseinandergesetzt hat.

    P.S. Schade dass wir im Seminar nur zu dritt sind, sonst hätten wir mal das Spiel von Ulises Mejias zum Thema „Aufmerksamkeit im Web2.0 “ spielen können: http://blog.ulisesmejias.com/2008/02/22/attention-economy-the-game/


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